Let’s talk about Food – mit Ralf Blume

Wir lieben es, uns gesund zu ernähren. Umso mehr freuen wir uns, wenn wir Gleichgesinnte finden. Diesmal erzählt uns Ralf Blume, Physiotherapeut bei Hannover 96, wieso er vegan lebt, warum er sich dafür entschieden hat und was ihm an Cell Garden besonders gut gefällt. 

© Florian Petrow

Seit wann lebst du vegan und wie bist du zu dieser Art der Ernährung gekommen?

Das war Anfang März 2013. Ich habe mir schon sehr lange Gedanken darüber gemacht, ob das so alles richtig und in Ordnung ist, was wir Menschen mit der anderen Lebensform „Tier“ so anstellen. Immer wieder habe ich diese Gedanken verdrängt – ja sogar schöngeredet. Tiere seien dazu da, damit wir Menschen überleben können. Unfassbar, wenn ich heute darüber nachdenke! Immer öfter kamen mir bei der täglichen Fleischmahlzeit diese Gedanken: „Das KANN einfach nicht richtig sein!“. Gleichzeitig kam aber auch die Angst: „Was esse ich denn dann überhaupt noch?“
Essen ist für mich immer gleichbedeutend mit großem Genuss gewesen. Muss ich wirklich für den Rest meines Lebens darauf verzichten, wenn ich keine tierischen Produkte mehr esse?
Die Gewohnheit ließ mich dennoch an der altbewährten Nahrung festhalten. Zwar mit immer schlechter werdendem Gewissen, aber es blieb – vorerst – dabei.

Und dann kam der Tag, der alles veränderte. Ein Kollege schrieb mir, dass er sich mittlerweile vegan ernährt – und es ihm in vielen Belangen deutlich besser ginge. Das machte mich neugierig und ich bat ihn um mehr Informationen, denn wenn ihm, dem Genussmenschen schlechthin, das gelang, sollte das für mich doch auch machbar sein.

Er schickte mir nur den Link zu einem Youtube-Videos – Gary Yourofskys Rede an einer amerikanischen Universität. Siebzig Minuten, die mein Leben veränderten. Danach war mir klar: kein Fleisch mehr, keine Milch, keine Eier, kein Käse! Unabhängig von Genuss und Gewohnheiten, dieser Mann hatte mich berührt, mit jedem Wort, das er sagte. Selbst wenn ich nur noch Salat und Wasser zu mir nehmen müsste, ich habe nicht das Recht, im Grunde gleichberechtigte Lebewesen unseres Planeten für mein „Wohlbefinden“ auszubeuten – um es mal sanft auszudrücken. Denn kein Kalb wird freiwillig und gerne von der Mutter getrennt und kein Schwein gibt gerne sein Leben, um auf meinem Teller zu landen. Erst nachdem ich diese Wahl getroffen habe, wurden mir die weiteren Auswirkungen des Veganen bewusst: Ökologie und Gesundheit! Ich kann es mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren, dass Futtermittel in entlegenen Ländern der Welt angebaut und zu uns transportiert werden und dort die Kinder verhungern. Jeden Tag sterben etwa 40.000 Menschen an Hunger, in Ländern, die uns hier unsere fleischlichen Gewohnheiten ermöglichen.  Eigentlich unfassbar, was wir mit uns und unserem Planeten anstellen.

Wie hast du deine Ernährung umgestellt? Hast du sofort alle tierischen Produkte weggelassen oder war das ein Prozess in mehreren Stufen?

Sofort! Ich habe unmittelbar keine tierischen Produkte mehr gegessen. Das war natürlich eine Vollkatastrophe, denn ich war überhaupt nicht vorbereitet. Die ersten Tage war die Nahrungsaufnahme ziemlich langweilig. Wir haben die gleichen Mahlzeiten gekocht und lediglich das Tierische weggelassen. Dann brachte mir meine Frau das Buch „Vegan for fit“ mit und schon beim ersten Blättern darin ging die Genuss-Sonne wieder auf! Ich wusste ja bis dahin gar nicht, was man so alles essen kann.
Mit jedem Tag wuchs mein Wissen über alle Zusammenhänge, wir erforschten als Familie die wunderbarsten Lebensmittel und vergaben Schulnoten für die Gerichte. Alles, was schlechter bewertet als Note 3, gab es dann nicht mehr. Mittlerweile haben wir ein Speisen-Repertoire, von dem wir vorher nicht mal zu träumen wagten.

Welche körperlichen Veränderungen hast du bemerkt?


Bereits nach zwei, drei Tagen hatte ich irgendwie das Gefühl, viel klarer im Kopf zu sein. Ich fühlte mich spürbar vitaler, war weniger kaputt –ganz einfach glücklicher. Es war, als sei eine Last vom Körper abgefallen. Früher hatte ich Zeitungen auf der Toilette, weil die Sitzungen durchaus länger dauern konnten – heute lohnt sich das nicht mehr.

Ganz klar funktionieren heute meine körperlichen und geistigen Prozesse besser. Meine Regeneration ist schneller, ich schlafe besser, schneller ein und benötige insgesamt weniger Schlaf.

Woher hast du dein Wissen zum Thema vegane Ernährung?

In erster Linie aus dem Internet. Es ist geradezu ein Traum, wie schnell und einfach du heute an Informationen kommst. Natürlich auch aus Fachbüchern und interessanten Gesprächen mit erfahrenen Menschen.

Ralf-blume-vegan-koch-experte-hannover-96© Ralf Blume

Wie sehen typische Mahlzeiten bei dir zuhause aus?

Bei uns ist von A bis Z alles dabei. Bio ist die Basis! Ansonsten fast immer frisch, lokal und saisonal, ab und zu Tiefkühlprodukte und selten „ungesunde“ Fertigprodukte (Currywurst, Pommes). Aber: immer vegan! Wir lieben mediterrane und asiatische Küche, kochen viel mit Sprossen und frischen Kräutern – zu fast allen Mahlzeiten.

Wie hat dein Umfeld auf deine Ernährungsumstellung reagiert?

Anfangs wurde ich belächelt, verbunden mit den üblichen „Witzchen“, aber auch aggressive Äußerungen kamen – da war alles dabei. Manch einer fühlt sich – so hat es den Anschein – mit seiner eigenen Zerrissenheit zu dem Thema konfrontiert. Wahrscheinlich so wie bei mir damals. Ich habe Veganern innerlich auch den Vogel gezeigt und das als vollkommen übertrieben und extrem tituliert.
Es herrscht der große Irrglaube, – und wird in den Medien ja auch so postuliert – dass es ohne tierischen Produkte nicht geht. „Was kannst du denn dann überhaupt noch essen?“ kommt dann als Frage. Wir werden durch die Massen an Milch, Joghurt, Würstchen und Burgern so zugefüttert, dass man tatsächlich den Eindruck gewinnt, dass es ohne nicht mehr geht. Mittlerweile ist auf jedem Salat Käse, auf jedem Brötchen in Tankstellen-Shops Ei und Mayonnaise und, und, und.
Natürlich finde ich auch Beachtung und es entwickeln sich interessante Gespräche, aus denen oft hervorgeht, dass nach der öffentlichen Meinung vegane Ernährung mit großer Mühe beim Einkaufen oder Kochen, Einschränkung der Lebensqualität und hohen Kosten für die Lebensmittel einhergeht. Und ungesund soll diese „Mangelernährung“ auch sein. Weder das eine noch das andere kann ich bestätigen. Wir geben genauso viel Geld für Nahrung aus wie vorher, das Einkaufen ist nach einer gewissen Zeit der Umgewöhnung auch ein Klacks, denn immer öfter findet man in Bioläden und Supermärkten vegane Produkte, die mit einem Schild im Regal hervorgehoben sind – klasse!

Welchen Tipp würdest du den Leuten geben, die sich erst seit Kurzem mit veganer Ernährung beschäftigen?


Weitermachen! Informationen sammeln, Videos schauen, Rezepte finden, die sie lecker finden und mit Menschen Kontakt aufnehmen, die sie unterstützen können.

Und – ganz wichtig – akzeptieren, dass es ein Prozess ist! Ein Prozess, der nicht selten jahrzehntelang bediente Muster vollkommen verändert. Wir sind von Kindesbeinen an auf tierische Produkte konditioniert worden und wussten nicht, was wirklich hinter dem Würstchen, dem Eis und der Schokolade steckt. Das hinterlässt natürlich Spuren und braucht mal mehr, mal weniger Zeit, sie hinter sich zu lassen.

Bei mir war es tatsächlich so, dass ich einfach von einem auf den anderen Tag nichts Tierisches mehr zu mir nehmen konnte – wie ein umgelegter Schalter im Kopf. Dafür bin ich sehr dankbar. Umso mehr bewundere ich Menschen, die es mit reinem Willen schaffen. Am Ende des Tages zählt jedes Schnitzel, das weniger gegessen wird – und wenn du es nicht von heute auf morgen kannst, dann lässt du dir eben Zeit!

Wie bist du auf das Superfood-Kochbuch aufmerksam geworden?

Über Facebook und das Internet. Die vegane Community ist mittlerweile so groß und gut vernetzt, dass es kein Problem ist, wirklich gute Bücher zu finden.

Was hat dich am Superfood-Kochbuch besonders angesprochen?

Es ist einfach einfach!
Toll strukturiert, übersichtlich und es nimmt mir die Sorge, etwas nicht richtig zu machen. Alle wichtigen Informationen habe ich auf einen Blick – perfekt!

Welches Rezept aus dem Superfood-Kochbuch gefällt dir am besten?

Puh, das ist schwer zu sagen, denn wir haben schon so viele leckere Gerichte gefunden. Ich liebe zum Beispiel den Blaubeer-Chia-Pudding und die Linsen-Kokos-Curry-Suppe.

Lieber Ralf, vielen Dank für das angenehme Gespräch und weiterhin viel Spaß mit dem Superfood-Kochbuch.

Wir freuen uns immer, mit anderen begeisterten Foodies und Sprossengärtnern zu sprechen. Du bist auch einer oder möchtest einer werden? In unserem Buch Superfood Assistant findest du die Basics zum Sprossen- und Mikrogrün-Ziehen, viele leckere Rezepte für Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie einen Ernährungsplan mit Sprossen und Mikrogrün. Klicke hier, um mehr über das Superfood-Kochbuch zu erfahren.

cellgarden-mehrerfahren-banner-kochbuch-superfoodassistant
By | 2018-07-01T17:25:56+00:00 März 11th, 2018|Allgemein, Let's talk about Food|0 Comments

About the Author:

Joe Teips
Seit ich 16 bin ist die Langhantel mein (zweit ? ) bester Freund. Lass mich deine helfende Hand in dem Dschungel der Sporternährung sein, in dem ich selbst lange genug gefangen war. Ich bin davon überzeugt, dass der Eiweiß- und Mineralbedarf eines Kraftsportlers mit natürlicher und nachhaltiger Ernährung gedeckt werden kann.

Leave A Comment